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Geldsorgen und geringe Einkommen beschleunigen die Gehirnalterung
Menschen, die im jungen und mittleren Erwachsenenalter ein unterdurchschnittlich geringes Einkommen besitzen oder die in einer permanent angespannten finanziellen Situation leben, erzielen im höheren Alter bei kognitiven Aufgaben schlechtere Ergebnisse und haben ein geringeres Gehirnvolumen. Der Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation und der Gehirngesundheit ist bei Männern deutlich ausgeprägter als bei Frauen.
London (England). Die Gesundheit und die Alterung des Menschen werden nicht nur von seinen Genen und bestimmten Verhaltensweisen wie Rauchen oder einem hohen Alkoholkonsum beeinflusst, sondern auch durch seinen sozioökonomischen Status. Laut einer älteren Studie sind überschuldete Personen aus Deutschland, von denen ein Großteil (80 %) an zumindest einer Krankheit leidet, vor allem an psychischen Problemen sowie Gelenk- und Wirbelsäulenkrankheiten, ein Beispiel dafür. Forscher des University College London (UCL) um Dr. Jacques Wels haben nun untersucht, ob sich eine anhaltend schlechte finanzielle Situation auf die Gehirnalterung auswirkt.
Sie haben dazu Daten der britischen 1946er-Kohortenstudie, offiziell bekannt als MRC National Survey of Health and Development (NSHD), die älteste kontinuierlich laufende Geburtskohortenstudie der Welt, analysiert. Die NSHD umfasst 5.362 Menschen, die alle in derselben Woche im März 1946 in England, Schottland und Wales geboren wurden und seit ihrer Geburt regelmäßig Fragebögen zu ihrem Beruf, ihrer Bildung, ihrem Lebensstil und ihrem sozialen Umfeld beantworten und medizinisch untersucht werden. Es ist somit möglich, über einen langen Zeitraum nachzuverfolgen, wie die Lebensbedingungen seit der Geburt die Gesundheit und das Altern beeinflussen.
Die 2.759 Probanden der aktuellen Studie wurden im Alter von 26, 43 und 53 Jahren zu ihrem Haushaltseinkommen befragt. Als dauerhaft einkommensschwach wurden Personen definiert, die mindestens zweimal zu den untersten 20 Prozent der Gruppe gehörten. Dies war etwa jede sechste Person. Die Teilnehmer haben zudem Fragen zu ihrer finanziellen Situation beantwortet, etwa ob sie Probleme damit haben, Rechnungen zu bezahlen. Wenn sie zwischen dem 36. und 53. Lebensjahr einen Schwellenwert mindestens zweimal überschritten hatten, galten sie als dauerhaft finanziell belastet. Dies war etwa jeder achte Proband.
Die Teilnehmer der NSHD haben außerdem kognitive Tests zum verbalen Gedächtnis und zur Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns absolviert. Bei einem Teil wurden Magnetresonanztomografiescans (MRT) durchgeführt, um objektiv ermitteln zu können, ob das Gehirn geschrumpft ist (Hirnatrophie) und ob sich die Hirnventrikel, also die mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume des Organs, vergrößert haben. Es handelt sich dabei um Indikatoren für eine schlechte Gehirngesundheit.
Wie Dr. Jacques Wels erklärt, zeigen die Daten, dass Menschen, die im frühen und mittleren Erwachsenenalter entweder dauerhaft mit Geldproblemen oder dauerhaft mit einem niedrigen Einkommen lebten, mit 53 Jahren schlechter in kognitiven Tests abschneiden. Die Gehirnscans zeigen zudem, dass die Gehirngesundheit im höheren Lebensalter zwischen 69 und 71 Jahren bei Menschen mit einem anhaltend niedrigen Einkommen schlechter ist. Der Zusammenhang besteht auch dann, wenn man weitere Einflussfaktoren wie das Bildungsniveau und die Kindheitskognition berücksichtigt.
„Die meisten Studien zur kognitiven Alterung betrachten finanzielle Not nur zu einem einzigen Zeitpunkt. Unsere Studie, die Daten über mehrere Jahrzehnte nutzt, zeigt uns, dass die Anhäufung von Not über viele Jahre mit den schlechtesten Ergebnissen für die kognitive Gesundheit verbunden ist und nicht gelegentliche Phasen von Belastung“, erklärt Dr. Jacques Wels.
Wie Professorin Praveetha Patalay erklärt, liefert die Studie Indizien dafür, dass eine bessere Unterstützung von finanziell benachteiligten Personen dabei helfen kann, die Zahl der neuen Demenzfälle zu reduzieren.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, d