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Österreich: Wehrdienst soll länger dauern - Streit über den Zivildienst
Anders als Deutschland hat Österreich die Wehrpflicht nicht ausgesetzt. Doch auch in Wien sieht man Reformbedarf und verlängert den Wehrdienst. Der Zivildienst könnte unattraktiver werden. Doch hier gibt es heftige Debatten.
Leo Evgenidis an seinem Arbeitsplatz, einem Rettungswagen. Seit acht Monaten leistet er seinen Zivildienst beim Roten Kreuz Wien ab. Bald ist er fertig.
"Es hat mir wirklich sehr viel mehr Spaß gemacht, als ich anfangs erwartet hab." Er habe damit gerechnet, dass er vor allem seine Zeit absitzen würde, sagt der 20-Jährige. "Aber über die Zeit ist mir die Arbeit wirklich ein bisschen ans Herz gewachsen, muss ich sagen."
Ein Dreivierteljahr dauert der Zivildienst in Österreich aktuell. Der Grundwehrdienst nur sechs Monate. Beides will die österreichische Regierung jetzt reformieren. Das neutrale Land soll wehrhafter werden.
Der Wehrdienst wird deshalb um drei Monate verlängert. In dieser Zeit sollen die Männer an Truppenübungen teilnehmen. Wird der Wehrdienst verlängert, müsse aber auch der Zivildienst länger werden, so Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker.
Die Bildungsministerin will zur Stärkung der Dienste noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen.
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"Wir haben uns geeinigt, dass der Zivildienst um zwei Monate verlängert wird, zuerst auf einer freiwilligen Basis", sagte der Kanzler von der konservativen ÖVP. "Sollten sich allerdings zu wenig Grundwehrdiener zur Verfügung stellen, greift ein gesetzlicher Automatismus, sodass der Zivildienst dann auf elf Monate verpflichtend verlängert wird."
Die Logik: Je unattraktiver der Zivildienst, desto mehr Männer gehen zum Bundesheer. Doch für solche Änderungen braucht es in Österreich eine Zweidrittelmehrheit, also die Opposition. Die stellt nun Forderungen auf.
Die teils rechtsextreme FPÖ will eine weitergehende Verlängerung des Wehr- und Zivildienstes. Die Grünen hingegen wollen das auf keinen Fall. Ihr verteidigungspolitischer Sprecher David Stögmüller kritisiert zudem, dass die aktuellen Pläne viel Unsicherheit für künftige Zivildienstleistende bedeuten.
"Ich glaube einfach, dass junge Burschen eine Perspektive benötigen", sagt Stögmüller. Die Ungewissheit sei ein großes Problem. "Die jungen Leute wissen nicht, ob sie 2028, 2027, 2029 oder 2030 jetzt länger dienen müssen oder nicht. Und genau das ist eine bodenlose Frechheit, in Zeiten wie diesen, wo eh so viel Ungewissheit ist."