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Wissenschaft - Vor mehr als 100 Jahren begann sein Verschwinden: Nun taucht ein spezieller Käfer wieder vermehrt auf – und ist dabei besonders nützlich
Der Große Puppenräuber kehrt heim und er hat einen uralten Plan im Sinn: fressen. Im Gegensatz zu anderem häufigen Befall durch Insekten kommt uns sein Hunger aber mehr als gelegen.
(Bildquelle: Nicolas Dietz)
Weißlich versponnen haust er 2026 in schierer Unzahl in deutschen Städten – der Eichenprozessionsspinner. Seit Jahren breitet er sich verstärkt aus, ein Grund: Die neuen klimatischen Bedingungen gefallen ihm.
Das Problem für uns: Ehe er als Schmetterling schlüpft, stellen seine Raupen ein Ärgernis, für manche gar eine Gefahr dar. Denn auf ihrem Körper wächst ein dichter Panzer aus Brennhaaren (winzige, harte, mit Widerhaken versehene Hohlhaare mit Nesselgift).Eingeatmet oder selbst nur auf der Haut rufen sie eine ganze Reihe von gesundheitlichen Problemen hervor – teils behandlungsbedürftig im Krankenhaus. Die mit dem Wind weit fliegenden Härchen bedrohen vorrangig Kinder, alte Menschen und Vorerkrankte.
Seine Bekämpfung durch unsere Technik gestaltet sich langwierig und teuer. Doch ein natürlicher Jäger, für den die Raupe ein Festmahl darstellt, kehrt zurück. Ein unscheinbarer Fund eines in Deutschland verschollen geglaubten Käfers in Sachsen-Anhalt.
Wer sich über Befälle durch den Eichenprozessionsspinner in seiner Nähe informieren möchte oder sogar selber einen Fund melden möchte, findet hier eine interaktive Karte.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Großer Puppenräuber – der Name ist Programm. Als wohl äußerst schmackhafte Mahlzeit gehört der Eichenprozessionsspinner zum Speiseplan des maximal 3,5 Zentimeter langen Laufkäfers. Meist auffällig blauschwarz mit goldgrün-rötlich schimmernden Deckflügeln frisst pro Saison ein einzelner Käfer etwa 400 Raupen.
Es sei eine »kleine Sensation« laut Dr. Peer Hajo Schnitter vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, den Käfer in Sachsen-Anhalt wieder vorzufinden. Zuvor hatte er hierzulande seit den 1960ern als ausgestorben gegolten. Sachsen-Anhalt bleibt dabei nicht allein, auch anderswo im Bundesgebiet fanden sich zuletzt unabhängig Belege für eine Bestandserholung und Wiederausbreitung des Großen Puppenräubers.
Als Haupttreiber für diesen Schwund gilt die chemische Bekämpfung von Nachtfalter-Kalamitäten in Wäldern. Unter Kalamitäten verstehen Forscher großflächige Schadereignisse durch Tiere an Pflanzen – in den 1960ern zerstörten in Sachsen-Anhalt Raupen wie der Eichenprozessionsspinner massenhaft Bäume. Wir töteten die Schädlinge mittels Chemie.
Ferner vertrieben wir die Käfer bereits zuvor seit dem 19. Jahrhundert durch die Abholzung ihrer Habitate aus ihrer Lebensumwelt. Ihnen behagt die industrielle Waldstruktur weniger – der Große Puppenräuber bevorzugt lichte Waldlandschaften. Doch die damalige Forstwirtschaft setzt auf düstere, kühle Wälder. Mit dem Verschwinden des klassischen vorindustriellen Baumanbaus verschwanden auch vielerorts die Bestände der bunten Raupenliebhaber.