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KI-Firmen zerstören Bücher: Was steckt dahinter?
KI-Unternehmen kaufen massenhaft gebrauchte Bücher, scannen sie und zerstören sie dabei. Was steckt dahinter und ist das legal?
Zuletzt haben sich Berichte von Antiquaren gehäuft, die große Mengen gebrauchter Bücher verkauften. Die Vermutung: Die Bücher werden von KI-Unternehmen aus den USA gekauft, gescannt und zum Training Künstlicher Intelligenz verwendet. Außerdem wird den KI-Firmen vorgeworfen, die Bücher in dem Prozess zu zerstören. Stimmt das?
Sie kommen vor allem von Antiquaren. Markus Brandis, Vorsitzender des Verbandes deutscher Antiquare, berichtet von zahlreiche Fällen, in denen Antiquare plötzlich ungewöhnliche Bestellungen erhalten hätten. Innerhalb weniger Monate hätten einzelne Antiquare so Gewinne im sechsstelligen Bereich gemacht, sagt er. „Das ist schon bemerkenswert“.
Meist seien die Bestellungen nachts eingegangen, sagt er. Die Auftraggeber kämen oftmals aus Nordamerika. Bestellt worden seien vor allem „Ladenhüter“, also Bücher, die schon lange in den Regalen standen und nicht gekauft wurden.
Zwar werde das Geschäft der Antiquare durch die neuen Käufer kurzfristig belebt, langfristig spricht Brandis jedoch von einer „Barbarei“, die er „schärfstens“ ablehne. Dass KI-Unternehmen für den Scan-Prozess Bücher zerstörten, sei dabei nicht das Hauptproblem - von den meisten gebe es viele Exemplare - viel entscheidender sei die Frage nach dem Urheberrecht.
Bei klassischen Buchläden seien bisher keine vergleichbaren Bestellungen eingegangen, sagt Thomas Koch, Pressesprecher beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Doch auch er spricht von einer „sehr besorgniserregenden Entwicklung“ und einem „klaren und massiven Verstoß gegen das Urheberrecht“.
Vermutet werden hinter den Käufen große KI-Entwickler. In Bezug auf das US-Unternehmen Anthropic, Betreiber der KI-Software Claude, gibt es dafür auch konkrete Belege. Anthropic kaufte in großem Stil Bücher, um KI-Software zu trainieren, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, die im Rahmen einer Urheberrechtsklage von Autoren gegen das Unternehmen veröffentlicht wurden. Darunter ist auch ein internes Planungsdokument, das knapp die Ziele eines Plans mit dem Namen „Project Panama“ umschreibt. „Project Panama ist unser Vorhaben, alle Bücher der Welt destruktiv zu scannen“, heißt es hier. Gemeint ist das absichtliche Zerstören von Büchern im Scan-Prozess. Dabei werden zum Beispiel Buchrücken abgetrennt.
Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte Anthropic mit: „Claude wird auf einer Mischung von öffentlich zugänglichen Web-Daten, kommerziell erworbenen Datensätzen und selbst generierten Daten trainiert.“ Die Beschaffung von Büchern sei in der gesamten KI-Branche ein weit verbreiteter Ansatz für das Training großer Sprachmodelle. «Bei keinem unserer Programme zum Datenankauf werden seltene oder antiquarische Bücher zerstört.»
Von Google hieß es: „Wir respektieren das Urheberrecht, arbeiten in Partnerschaft mit anderen und geben Verlagen die Kontrolle darüber, wie ihre Inhalte verwendet werden.“ Mit dem einstigen Projekt Google Books habe man „Hunderten von Bibliotheken weltweit geholfen, gemeinfreie Werke für zukünftige Generationen zu digitalisieren - und dabei die physischen Exemplare unversehrt zurückgegeben“.
In einer jüngsten Verlagsklage wird Google vorgeworfen, Daten aus Google Books in Verletzung von Urheberrechten zum Training der KI-Software Gemini genutzt zu haben. Der Konzern äußerte sich unter Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht dazu.