// HEISE ONLINE — MOBILE & WEB
Mobile Klimaanlage: Midea PortaSplit lässt sich von jedermann fernsteuern
Per Bluetooth können Nachbarn die mobile Klimaanlage fernbedienen oder abschalten, Midea sieht keine Sicherheitslücke darin.
Per Bluetooth ferngesteuert: Das sollte bei der PortaSplit eigentlich nicht ohne Anmeldung funktionieren.
PortaSplit-Klimageräte des chinesischen Herstellers Midea sind derzeit sehr beliebt und in immer mehr Haushalten zu finden. Sie lassen sich komfortabel per Hersteller-App fernsteuern – Unbefugte jedoch sollen freilich nicht die Kontrolle über das Raumklima übernehmen. Doch ein Blick hinter die Fassade zeigt: Per Bluetooth kann jeder die Geräte steuern. Das funktioniert unabhängig von Geräte-Pairing und App-Passwort. Analysiert hat das ein anonymer Hinweisgeber, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. Der Hersteller hält die Steuerung per Bluetooth auf Nachfrage für unproblematisch.
Um die PortaSplit zu steuern, sieht Midea drei Wege vor: Mit der mitgelieferten Infrarot-Fernbedienung, per Tastenfeld am Gerät oder mit der herstellereigenen App „Midea Air“. Letztere baut für die Einrichtung eine Verbindung per WLAN mit der PortaSplit auf, die der Besitzer dafür zunächst per Knopfdruck in den „Access-Point-Modus“ versetzen muss. Ist die Anlage mit dem Smartphone gekoppelt, kann der Zugriff zudem per PIN gesichert werden.
Doch es geht auch ganz ohne App-Kopplung, wie uns ein anonymer Hinweisgeber offenbarte. Er gab an, jedes PortaSplit-Gerät per Bluetooth fernsteuern zu können – und zwar unabhängig von der App des Herstellers, dem Kopplungsstatus und ohne Kenntnis der Geräte-PIN.
Dazu setzte der Hinweisgeber mit LLM-Hilfe an der Schnittstelle für Bluetooth Low Energy (BLE) an, doch nicht am offiziellen Endpunkt im msmart-SDK, sondern bei einer Programmierschnittstelle für OEMs (Original Equipment Manufacturer) namens com.midea.oem.iot.sdk.ble. Dieses SDK kennt keine Geräte-PIN, nimmt Steuerbefehle allerdings nur AES-verschlüsselt entgegen. Geräte schreien per Bluetooth-Broadcast jedoch genug Informationen in die Welt hinaus, um die AES-Schlüssel zu berechnen. So können Angreifer die Steuerbefehle korrekt verschlüsseln und an die PortaSplit schicken.
Das funktioniert jedoch nur in Bluetooth-Reichweite, also einem Radius von einigen Metern rund um die Klimaanlage. Ein Zugriff aus der Ferne, etwa über das Internet oder die Midea-eigene Cloud, ist nicht möglich.
Unser Hinweisgeber war sehr gut vorbereitet: Mit Unterstützung künstlicher Intelligenz hatte er eine Android-App und einige Python-Skripte entwickelt, die als Beweis dienten. So taten wir uns leicht, den „Proof of Concept“ nachzuvollziehen. Auch die heise-Redaktion war vorbereitet: So hatten wir eine betriebsbereite PortaSplit als Testgerät und ein Android-Smartphone aufzutreiben, erwies sich ebenfalls als nicht weiter schwierig.
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes Video (TargetVideo GmbH) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden.
Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (TargetVideo GmbH) übermittelt werden.
Mehr dazu in unserer
Datenschutzerklärung.