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Souveränität: Viele Unternehmen sehen riskante US-Abhängigkeit, tun aber nichts
Eine ifo-Umfrage zeigt, dass nicht wenige deutsche Unternehmen zwar ihre Abhängigkeit von US-Diensten als riskant einstufen, aber keine Gegenmaßnahmen planen.
Über die digitale Souveränität wird viel diskutiert, doch in der Praxis scheinen noch viele deutsche Unternehmen tatenlos in der US-Abhängigkeit zu verharren, wie eine Umfrage des ifo-Instituts nahelegt. Demnach hält jedes fünfte Unternehmen in Deutschland die eigene Abhängigkeit von digitalen Produkten und Diensten von US-Anbietern für riskant, plant aber keinerlei Gegenmaßnahmen. Zugleich sehen aber auch rund 32 Prozent ein Risiko und planen zumindest eine Maßnahme für mehr Unabhängigkeit.
Insgesamt gaben 88 Prozent der befragten Firmen an, digitale US-Produkte zu nutzen. 31 Prozent schätzten sich stark von ihnen abhängig ein, 18 Prozent sprachen von mittlerer Abhängigkeit und 39,2 Prozent von einer geringen. Von allen, die eine Abhängigkeit anführten, sahen rund 38 Prozent kaum ein Risiko darin, rund 30 Prozent ein moderates und etwas über 32 Prozent ein hohes Risiko. Dabei hat sich laut ifo auch gezeigt, dass gerade die Branchen, in denen sich Firmen als besonders abhängig einstufen, ihre Lage vergleichsweise gelassen bewerten.
Bei den Maßnahmen für mehr Unabhängigkeit (Mehrfachnennungen möglich) nannten die Unternehmen am häufigsten den Umstieg auf europäische Alternativen (34,2 Prozent). Darauf folgen die Diversifizierung der Anbieter (29,8 Prozent), Open-Source-Alternativen (19,0 Prozent) und der Aufbau eigener IT-Infrastruktur (18,2 Prozent). Für die ifo-Forscher ist das ein Zeichen, dass die Maßnahmen mit vergleichsweise geringem Aufwand dominieren.
„Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen – sie ziehen daraus kaum Konsequenzen“, kommentierte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Befragungen, das Ergebnis. „Gründe können sein, dass Unternehmen vor den Zusatzkosten dieser Risikovorsorge zurückschrecken und dass sie nicht sicher sein können, dass Lieferanten oder Kunden diese Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls auf sich nehmen wollen.“
Insgesamt sehen die Forscher eine Gemengelage aus Gründen für die Zurückhaltung der Unternehmen. Das Risiko sei eher eins der gesamten Wirtschaft, die Wahrscheinlichkeit, als einzelne Firma betroffen zu sein, könne man hingegen als unwahrscheinlich einschätzen. Ebenfalls seien die Kosten eines Anbieterwechsels sofort und sicher – und der Nutzen liege unsicher in der Zukunft. Migration, Schulung, Integration und häufig eine geringere Leistungsfähigkeit des Ersatzprodukts stünden einer Absicherung gegen ein seltenes Ereignis gegenüber. Außerdem sei ein Unternehmen, das seine Systeme vollständig auf europäische Anbieter umstelle, trotzdem weiterhin über seine Kunden, Lieferanten, Banken, Dienstleister und Behörden exponiert, die diesen Schritt nicht tun.
ifo-Präsident Clemens Fuest sieht hier vor allem den Staat in der Pflicht, die digitale Souveränität voranzubringen. „Europa muss den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren von Jahren auf Monate verkürzen. Zugleich sollte der Staat seine eigene Nachfragemacht nutzen: Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand würden europäischen Anbietern jene Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage nicht entsteht.“
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