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Politik unterschätzt die öffentliche Zustimmung zum Klimaschutz
Viele britische Abgeordnete halten Klimaschutzmaßnahmen für deutlich unpopulärer, als sie in Bevölkerungsumfragen tatsächlich sind. In einer Befragung von 100 amtierenden Parlamentariern unterschätzten sie die öffentliche Zustimmung im Mittel um rund elf Prozentpunkte und nahmen die parteipolitische Spaltung stärker wahr, als sie gemessen wurde. Bei einer Preispolitik hing diese Fehleinschätzung zudem mit einer geringeren Bereitschaft zusammen, öffentlich dafür einzutreten.
Cambridge (England). Für politische Entscheidungen ist nicht nur entscheidend, wie wirksam oder kostspielig eine Klimaschutzmaßnahme ist. Abgeordnete müssen auch einschätzen, ob die Bevölkerung solche Eingriffe akzeptiert. Liegen sie bei dieser Einschätzung systematisch daneben, können politisch machbare Maßnahmen riskanter erscheinen, als sie nach der tatsächlichen öffentlichen Meinung wären.
Die leitende Studienautorin Dr. Lisa-Maria Tanase von der University of Cambridge und ihr Team haben deshalb zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 ein Online-Survey-Experiment mit 100 amtierenden britischen Abgeordneten durchgeführt. Die Teilnehmer sollten die öffentliche Zustimmung zu vier Klimaschutzmaßnahmen einschätzen, die ihnen sowohl neutral als auch mit ausdrücklich genannten finanziellen oder praktischen Belastungen beschrieben wurden. Diese Schätzungen verglichen die Forscher mit einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2024.
Die Abweichungen waren bei einzelnen Maßnahmen erheblich. Bei Zuschüssen oder Krediten für eine bessere Dämmung von Häusern mit schlechterer Energieeffizienz erwarteten die Abgeordneten rund 18 Prozent öffentliche Ablehnung. In der Bevölkerungsumfrage lehnten die Maßnahme dagegen nur sechs Prozent ab. Bei einer Steuer, deren Höhe sich nach den Umweltschäden eines Produkts richtet, schätzten die Politiker den Anteil der Gegner auf etwa 38 Prozent, tatsächlich waren es 20 Prozent.
Über alle untersuchten Maßnahmen hinweg unterschätzten die Abgeordneten die öffentliche Unterstützung durchschnittlich um rund elf Prozentpunkte. Die Wahrnehmungslücke blieb auch bestehen, wenn mögliche persönliche Kosten oder praktische Belastungen ausdrücklich Bestandteil der Beschreibung waren. Selbst Politiker, die eine Klimaschutzmaßnahme persönlich befürworteten, unterschätzten im Mittel deren Rückhalt in der Bevölkerung.
„Abgeordnete über Parteigrenzen hinweg überschätzen die öffentliche Ablehnung durchgängig, unabhängig davon, ob sie Klimaschutzmaßnahmen selbst unterstützen oder ablehnen. Dies dürfte die Bandbreite der Optionen für Klimaschutzmaßnahmen einschränken, die sie für politisch machbar halten“, sagt Lisa-Maria Tanase.
Hinzu kam eine verzerrte Wahrnehmung der politischen Polarisierung. In den Bevölkerungsdaten unterschieden sich Anhänger von Labour und der Conservative Party bei der Unterstützung zweier untersuchter Maßnahmen um zwölf Prozentpunkte. Die Abgeordneten schätzten diesen Abstand dagegen auf rund 25 Prozentpunkte. Zwischen Anhängern der Liberal Democrats und der Conservatives erwarteten sie sogar einen Unterschied von 30 Prozentpunkten, gemessen wurden 14 Prozentpunkte.
Besonders ausgeprägt war diese Fehleinschätzung bei konservativen Wählern. Die Abgeordneten hielten deren Unterstützung im Durchschnitt für 12,6 Prozentpunkte niedriger als die der Gesamtbevölkerung. Tatsächlich betrug die Differenz nur 2,5 Prozentpunkte. Die politische Öffentlichkeit erschien den Parlamentariern damit deutlich stärker entlang der Parteigrenzen gespalten, als es die Umfragen erkennen ließen.
„Umweltbewusste konservative Wähler könnten sich falsch repräsentiert fühlen, wenn Politiker immer wieder übertreiben, wie stark sich ihre Einstellungen von denen anderer Wähler unterscheiden“, sagt Lisa-Maria Tanase.
Die Fehleinschätzungen blieben nicht ohne Zusammenhang mit der angegebenen politischen Handlungsbereitschaft. Je geringer ein Abgeordneter die öffentliche Unterstützung für die umweltabhängige Produktsteuer einschätzte, desto w