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Wo Cannabis boomt und wo es Probleme gibt
Mal als Erfolg gefeiert, mal heftig in der Kritik: Auch nach mehr als zwei Jahren sorgt die Teillegalisierung von Cannabis weiter für Debatten. Wie es für die Branche läuft - und wo die Politik nachschärfen könnte.
Zwischen LED-beleuchteten Pflanzen, Ledersofas und speziellem Cannabis-Dünger wirbt die Branche um Besucherinnen und Besucher in den Hallen der Düsseldorfer Messe "Cannafair". An einem Stand erklärt ein Aussteller die neuesten Anbausysteme für Cannabis-Clubs, wenige Meter weiter beraten Unternehmen über medizinisches Cannabis und Online-Rezepte.
Anne Schmidt sortiert gerade neue Joint-Blättchen in das Regal an ihrem Stand ein. "Wir bekommen nach wie vor von neuen Kunden Anfragen, unsere Produkte aufzunehmen", sagt Anne Schmidt vom Zigarettenpapier-Hersteller HBI Europe. "Der Markt in Deutschland wächst weiter seit der Teillegalisierung." Rund 300 Aussteller und bis zu 30.000 Besucher werden bei der Cannabis-Messe am Wochenende erwartet.
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Nach der Cannabis-Teillegalisierung ist es den Veranstaltern wichtig, den Gästen einen bewussten Umgang mit Cannabis zu vermitteln. "Die Entkriminalisierung war ein wichtiger Schritt und ein Erfolg", sagt Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband. "Das Cannabisgesetz von 2024 war im Kern eine Entkriminalisierung der Konsumenten, inklusive des legalen Eigenanbaus und des gemeinsamen legalen Eigenanbaus in Anbauvereinigungen", erklärt Wurth. "Immerhin wurde die Zahl der Strafverfahren gegen einfache Konsumenten drastisch reduziert, und das ist gut so."
Tatsächlich hat sich seit der Teillegalisierung im April 2024 viel verändert. Cannabis ist sichtbarer geworden, neue Unternehmen sind entstanden, Anbauvereine haben bundesweit ihre Arbeit aufgenommen. Duesselhanf zum Beispiel. Der Verein hat ein Gebäude im Hinterhof eines Gewerbegebiets im Düsseldorfer Stadtteil Lierenfeld angemietet. Die Abgabe von Cannabis ist hier nur an Mitglieder der Anbauvereinigung möglich. Ein Verkauf von Cannabis an Nicht-Mitglieder ist gesetzlich ausgeschlossen.
Im Eingangsbereich steht eine Theke, Platz für Stühle und Tische wäre genug. Doch die Vereinsmitglieder können sich hier nicht zusammensetzen und konsumieren. Timon Panke von Duesselhanf kritisiert das bestehende Gesetz. "Laut Cannabis-Gesetz müssen die Leute, wenn sie sich hier ihr Cannabis abgeholt haben, 100 Meter vom Gebäude entfernen und dürfen dann an der öffentlichen Straße ihren Joint anmachen." Für Panke ergibt diese Regelung wenig Sinn: "Jeder bei uns im Verein ist mindestens 21 Jahre alt. Die beste Lösung wäre, wenn man einfach hier konsumieren könnte. Das würde niemanden stören."
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Doch der eigentliche Boom findet nach Ansicht von Kritikern inzwischen an anderer Stelle statt: beim Medizinalcannabis. Weil Cannabis seit der Gesetzesänderung nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft wird, können Verschreibungen deutlich einfacher erfolgen als früher. Nach Angaben von Ärzten und Apothekern hat sich dadurch ein Markt entwickelt, in dem Cannabis über Online-Arztpraxen und Versandapotheken vergleichsweise leicht erhältlich ist.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, sieht bei der Cannabislegalisierung klare Fehlentwicklungen und fordert Änderungen am geltenden Gesetz. "Wir sehen im Medizinalcannabis-Bereich einen Anstieg von acht Tonnen auf über 200 Tonnen im Jahr. Hier geht es nicht mehr um Medizin. Hier geht es um einen Missbrauch von einer medizinischen Struktur für den privaten Konsum. Wir müssen hier gegensteuern", sagt Streeck.