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Prähispanische Bauern bauten Kanalsystem wohl ohne zentrale Arbeitslenkung
Mehr als 500.000 Hektar alte Kanäle und erhöhte Felder prägen die Feuchtgebiete von La Mojana im Norden Kolumbiens. Neue Arbeitsaufwandsberechnungen für ein 500 Hektar großes Teilgebiet zeigen nun, dass lokale Gemeinschaften das untersuchte 500-Hektar-System innerhalb weniger Wochen errichten konnten. Seine enorme Ausdehnung ist damit kein Beleg für eine zentral gesteuerte Arbeitsorganisation.
Cambridge (England). Die prähispanischen Bewohner von La Mojana lebten in einer Landschaft, die sich zwischen Regenzeit und Trockenzeit stark verändert. Statt das Wasser vollständig fernzuhalten, legten sie Kanäle und erhöhte Felder, sogenannte Camellones, an, die Wasser und fruchtbaren Boden verteilten, Anbauflächen bei Überschwemmungen nutzbar hielten und vermutlich auch den Fischfang erleichterten.
Die Anlagen waren von den letzten Jahrhunderten vor Christus bis etwa ins 10. oder 11. Jahrhundert in Gebrauch. Wegen ihrer gewaltigen Gesamtausdehnung galten sie lange als Hinweis darauf, dass mächtige Häuptlinge zahlreiche Arbeitskräfte zentral organisiert haben mussten, obwohl eindeutige archäologische Belege für eine staatlich organisierte Gesellschaft in der Region fehlen.
Forscher der University of Cambridge um Dr. Jasmine Vieri haben nun geprüft, wie viel Arbeit für ein solches System tatsächlich nötig war. Das Team kartierte bei San Marcos im Departamento Sucre ein rund 500 Hektar großes Gebiet anhand hochauflösender Satellitenbilder und eines digitalen Höhenmodells und erfasste dabei 1.601 Erdwälle sowie 63 erhöhte Wohnplattformen.
„Diese Feldsysteme sind so beeindruckend, dass man angenommen hat, sie seien von hierarchisch organisierten Häuptlingstümern geschaffen worden. Unsere Daten erzählen eine ganz andere Geschichte“, erklärt Dr. Jasmine Vieri.
Aus Ausgrabungsprofilen schätzten die Wissenschaftler den ursprünglichen Höhenunterschied zwischen Wallkrone und Kanalsohle auf rund 1,4 Meter und berechneten daraus zusammen mit Länge und Breite die bewegten Erdmengen. Für die Umrechnung in Arbeitszeit nutzten sie experimentelle Vergleichswerte aus dem Titicacagebiet, halbierten diese aber wegen des schweren Lehmbodens und der unbekannten damaligen Werkzeuge.
Aus der Fläche der Wohnplattformen leiteten die Forscher eine konservative Bevölkerungsschätzung von etwa 1.600 Menschen ab und setzten für ihr Modell nur die Hälfte davon als verfügbare Arbeitskräfte an. Die angenommene Arbeitsgruppe umfasste damit 800 Personen.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass lokale Gemeinschaften diese Systeme sehr schnell bauen und sich ohne mächtige äußere Autorität selbst organisieren konnten“, erklärt Dr. Jasmine Vieri.
Nach den Berechnungen hätte diese Gemeinschaft das vollständige 500-Hektar-System in rund 0,7 bis 1,5 Monaten errichten können, also in weniger als der Hälfte einer drei bis vier Monate langen Trockenzeit. Alle 170 besonders langen Wall-Kanal-Strukturen einer wichtigen Hauptgruppe hätten gemeinschaftlich etwa zwei Wochen beansprucht.
Das bedeutet nicht, dass jede Struktur von einzelnen Familien gebaut werden konnte. Einige der längsten Anlagen hätten einen Haushalt über Monate beschäftigt und verlangten deshalb wahrscheinlich die Zusammenarbeit mehrerer Haushalte, während kürzere Strukturen im Arbeitsbereich einzelner Familien lagen. Eine Netzwerkanalyse zeigt zudem, dass wichtige Verbindungen nahe den größten Wohnplattformen konzentriert waren, was auf lokale Knotenpunkte der Organisation hindeutet.