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Klimawandel könnte den globalen Weizenpreis verdreifachen
Wenn schwere Wasserknappheit mehrere wichtige Weizenregionen trifft, steigen die Weltmarktpreise offenbar besonders stark. Eine neue Analyse erklärt mit dem Ausmaß solcher Dürreereignisse 74 Prozent der jährlichen Preisschwankungen von 2000 bis 2021. Bei drei Grad globaler Erwärmung könnte der mittlere Weizenpreis laut Modell etwa dreimal so hoch liegen wie der inflationsbereinigte Wert von 2010.
Tjele (Dänemark). Weizen gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln weltweit und reagiert empfindlich auf Trockenheit während entscheidender Wachstumsphasen, sodass lokale Ernteprobleme bei zeitgleichen Dürren in mehreren Exportregionen über den Welthandel weit entfernte Märkte erreichen können. Schon 2019 zeigte eine andere Studie derselben Forschungsgruppe, dass zeitgleiche Dürren große Teile der Weizenanbauflächen bedrohen können.
Forscher des Global Change Research Institute of the Czech Academy of Sciences (CzechGlobe) um Prof. Miroslav Trnka haben nun untersucht, wie eng solche großräumigen Wasserdefizite mit dem globalen Weizenpreis zusammenhängen. Dafür verglich das internationale Team Reis, Mais und Weizen und verband Klimadaten, Anbauflächen und historische Preisreihen mit einem eigens entwickelten Maß für schwere Wasserknappheit.
Der Indikator Severe Water Scarcity (SWS) erfasst, welcher Anteil der jeweiligen Anbaufläche während besonders empfindlicher Wachstumsphasen unter schwerer Wasserknappheit leidet. Die Forscher nutzten dazu standardisierte Indizes aus Niederschlag und potenzieller Verdunstung über ein, drei und zwölf Monate, wobei die vier Monate vor der Ernte als empfindliche Phase gelten.
Das Preis-Modell für Weizen wurde mit Daten von 2001 bis 2021 entwickelt und anschließend an den Zeiträumen 1986 bis 2000 sowie 2022 bis 2024 geprüft. Für die Zukunft kombinierten die Forscher diesen statistischen Zusammenhang mit Klimasimulationen aus CMIP5 und CMIP6 bis 2100, wodurch das Verfahren auch zeitgleiche oder rasch aufeinanderfolgende Wasserdefizite in mehreren wichtigen Anbauregionen erfassen kann.
„Wir wissen bereits, dass der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktion beeinflusst. Neu ist hier, dass wir einen klaren Zusammenhang zwischen weit verbreiteter Dürre weltweit und den Preisen dokumentieren können, mit denen Verbraucher und Lebensmittelmärkte konfrontiert sind“, sagt Prof. Jørgen Eivind Olesen von der Aarhus University (AU).
Am stärksten ist der Zusammenhang bei Weizen. Das finale Modell erklärte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen des globalen Weizenpreises zwischen 2000 und 2021, während der Zusammenhang bei Mais schwächer ausfiel und für Reis keine vergleichbare Beziehung zum SWS-Indikator nachweisbar war.
Zwischen 1911 und 2020 waren im Mittel rund fünf Prozent der weltweiten Weizenanbaufläche von schwerer Wasserknappheit betroffen, doch in besonders trockenen Jahren wie 2000, 2010, 2012 und 2020 lag der Anteil bei mehr als 15 Prozent. Damit kann ein einzelnes Dürrejahr nicht nur regional ins Gewicht fallen, wenn gleichzeitig mehrere große Weizenregionen betroffen sind.
Die Analyse beschreibt zunächst einen statistischen Zusammenhang und keinen allein wirkenden Preismechanismus, denn Weizenpreise hängen zusätzlich von Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbeständen, Handelspolitik und geopolitischen Konflikten ab. Der neue Indikator macht deshalb vor allem einen statistischen Zusammenhang zwischen Wasserknappheit und den Preisschwankungen sichtbar, der sich bei räumlich zusammengesetzten Dürreereignissen bislang nur schwer quantifizieren ließ.
Für die Zukunft projizieren die Modelle eine zunehmende Ausdehnung schwerer Wasserknappheit in den Weizenregionen, wobei sich bei rund zwei Grad globaler Erwärmung ein mittlerer Preis von etwa 273 US-Dollar pro Tonne und bei drei Grad von rund 364 US-Dollar ergibt. Der höhere Wert entspricht ungefähr dem Dreifachen des inflationsbereinigten globalen Weizenpreises von 2010.